10 Gedanken über synchrone Schnittstellen

Zur besseren Einordnung der Problematik und als Entscheidungshilfe finden Sie in diesem Beitrag verschiedene kritische Thesen zu dem Thema "Synchrone Schnittstelle".

Aktualisiert: 20.11.2025

Veröffentlicht: 20.01.2022


Einführung

Stell dir vor, du stehst an einem Scheideweg. Vor dir liegen zwei Pfade: der eine führt dich zu einer Welt, in der dein Online-Shop und dein ERP-System in perfekter Harmonie zusammenarbeiten, in der Daten in Echtzeit fließen und deine Kunden ein Einkaufserlebnis genießen, das sie nie zuvor erlebt haben. Der andere Pfad ist mit Unsicherheit und potenziellen Fallstricken gepflastert.

Dieser Beitrag soll dir helfen, den richtigen Weg zu wählen. Er bietet Denkanstöße für die Nutzenbewertung einer potenziellen Konfiguration, in der eine Software synchron und somit „live“ an eine andere Software-Lösung angebunden wird. Stell dir vor, du hast direkten Zugriff auf die Datenstrukturen und Inhalte eines anderen Systems. Das bedeutet, dass du quasi nur die entsprechenden Daten aus dem angebundenen System nutzt, anstatt asynchron replizierte Daten aus zeitgesteuerten oder ereignisbasierten Schnittstellen.

Die folgenden 10 Punkte liefern kritische Thesen für deine eigene Analyse einer entsprechenden Konfiguration im Kontext von Online-Shop und ERP. Betrachte sie als Wegweiser, nicht als unumstößliche Wahrheiten. Die Entscheidung, ob und inwieweit eine synchrone Anbindung notwendig und geeignet ist oder eben nicht, liegt ganz bei dir. Aber nach dieser Lektüre wirst du vielleicht besser in der Lage sein, diese Entscheidung zu treffen.

  • 1.

    Eine schnelle, stabile und redundante Internet-Verbindung ist ein Muss

    Eine synchrone Anbindung ist wie ein Hochgeschwindigkeitszug, der auf einer zuverlässigen Strecke unterwegs ist. Ohne eine stabile Internet-Verbindung, die zudem schnell und redundant sein muss, wird dieser Zug entgleisen. Während Rechenzentren, in denen Shop-Systeme üblicherweise gehostet werden, speziell für den Einsatz geschäftskritischer Aufgaben und Aktivitäten ausgelegt und deshalb mehrfach redundant mit hoher Bandbreite ins globale Web eingebunden sind, ist dies bei deinen eigenen IT-Systemen oft nicht der Fall.

    Denke daran, dass deine Internet-Anbindung (Geschwindigkeit, Traffic-Aufkommen, Verfügbarkeit) die Usability deines Shops maßgeblich beeinflusst. Sie ist das Rückgrat deines Online-Geschäfts.

  • 2.

    Der Shop produziert unkalkulierbare Last im ERP-System

    Jeder gleichzeitig aktive Kunde in deinem Shop ist auch ein aktiver User in deinem ERP - und damit eine zusätzliche Last in dem wahrscheinlich wichtigsten IT-System deines Hauses. Wenn zehn Anwender in deinem Shop Artikel in den Warenkorb legen oder den Artikelstamm eines Artikels aufrufen, müssen für diese Anwender die betreffenden Daten aus dem ERP abgefragt werden und benötigen die entsprechenden Ressourcen.

    Stell dir vor, dein ERP-System ist ein Uhrwerk, das präzise und zuverlässig arbeiten muss. Jeder zusätzliche Benutzer, der gleichzeitig auf das System zugreift, ist wie ein Sandkorn im Getriebe. Die effizienten Cache-Funktionen des Shops, der die Daten üblicherweise zentral in seinem Speicher vorhält, können nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden und machen den Shop spürbar langsamer.

  • 3.

    Externe ERP-Zugriffe können Lizenzkosten verursachen

    Für den Zugriff einer externen Anwendung auf die ERP können zusätzliche Lizenzen anfallen, also einmalige Kosten plus laufende Support- und Updategebühren. Die Lizenzen sind dann zusätzlich zu Shop-Lizenzen und den Aufwendungen für die Stammdaten-Schnittstellen erforderlich.

    Denke daran, dass jede Ausgabe, die du vermeidest, direkt in deinen Gewinn einfließt. Alternativ dazu könnten etwa die Hotline sowie Vertrieb und Innendienst mit dem Shop und nicht mit der ERP arbeiten und so Lizenz- und Wartungskosten sparen.

  • 4.

    Interne IT-Probleme sowie Updates können den Shop stören

    Du musst mit Einschränkungen sowie der Nichtnutzbarkeit des Shops bei allen Änderungen und Updates rechnen, die dein ERP und deine Infrastruktur betreffen. Zur Infrastruktur gehört maßgeblich die gesamte IT (Server, Netzwerk, Firewall, Betriebssystem, DSL, Glasfaser-Leitungen, USV-Aggregate, Switches, Verkabelung).

    Jede denkbare Störung, die den Zugriff auf das ERP einschränkt, beeinflusst parallel das Benutzererlebnis im Shop und die entsprechende Nutzbarkeit. Es ist, als ob du eine Brücke baust, die zwei Ufer verbinden soll. Wenn ein Pfeiler dieser Brücke wackelt, ist die gesamte Konstruktion in Gefahr.

  • 5.

    Synchrone Schnittstellen steigern die Komplexität und die Abhängigkeit

    Ein Modul zur Live-Anbindung stellt in der Aufzählung der Lösungsbestandteile für eine Shop-Lösung eine weitere, potenziell fremde Dritt-Komponente dar, die die Komplexität des Systems erhöht. Gleichwohl kann aus Gründen der Performance oft nicht auf asynchrone Schnittstellen für den Austausch von elementaren Stammdaten verzichtet werden.

    Werden Komponenten von Drittanbietern genutzt, müssen diese implementiert und gewartet werden, wodurch zusätzliche Kosten entstehen können. Synchrone Anbindungen sind somit ein Faktor für zumeist deutlich höhere Kosten und Komplexität.

  • 6.

    Diametrale Positionen bei Kauferlebnis und Effizienz

    Verfügbarkeit und Performance der Shop-Lösung stehen meist im Vordergrund. Die Nachteile einer synchronen Anbindung stehen in Bezug auf die Datenzugriffe jedoch diametral zu dem Ziel, ein kundenfreundliches Bestell- und Kauferlebnis zu schaffen.

    Nur asynchrone Schnittstellen gewährleisten die Speicherung aller notwendigen Artikeldaten in den Datenbank-Strukturen des Shops und schaffen damit die nötige Persistenz, um Informationen quasi ohne Verzögerung zur Verfügung zu stellen. Permanent notwendige Abfragen im ERP, etwa für Stammdaten, Preise und Lagerbestände, können vielfach Verzögerungen und den hohen Verbrauch technischer Ressourcen bedeuten.

  • 7.

    Nur wenige Systeme besitzen die notwendigen Voraussetzungen

    Die Unterstützung für eine synchrone Anbindung muss von allen beteiligten Systemen gleichermaßen unterstützt werden. Ist für eines der Systeme keine entsprechend dafür ausgelegte API oder eine Datenbank-Lösung mit den notwendigen Funktionen und Schnittstellen vorhanden, muss diese zunächst als Middleware implementiert werden, um den Datenzugriff zielführend implementieren zu können.

    So können die Lösungen aber kaum vollständig aufeinander abgestimmt werden, was das Konzept des synchronen Zugriffs ad absurdum führt. Es ist, als ob du versuchst, ein Puzzle zusammenzusetzen, bei dem einige Teile fehlen oder nicht passen.

  • 8.

    Weitere Detail-Probleme möglich

    Sobald Daten über die API eines der verbundenen Systeme nur auf Satzbasis und nicht listenbasiert abgefragt werden können, sind die Möglichkeiten zur Implementierung einer synchronen Lösung stark eingeschränkt. So wäre eine aufwändige Steuerung notwendig, um Daten verschiedener Artikel in Übersichten des Shops darzustellen.

    Ein weiteres Problem sind reziprok ablaufende Datenänderungen im Hintergrund. Dies betrifft etwa gekaufte Artikel, die auch in anderen Warenkörben liegen, auf die eine Schnittstelle oft keinen Zugriff hat. Ebenso sind Bestandsveränderungen im ERP möglich, die sich statusverändernd auf Warenkörbe auswirken.

    Der zusätzliche Programmieraufwand, um nur geringe Verbesserungen gegenüber einer asynchronen Schnittstellenlösung zu erzielen, ist immens und zudem schlechter kalkulierbar. Zudem würden synchronen Schnittstellen gesteigerten Ressourcenbedarf nach sich ziehen. Damit wären noch längere Wartezeiten für die Shop-User sowie höhere Betriebskosten und eine größere Abhängigkeit verbunden.

  • 9.

    Unkalkulierbare Effekte wahrscheinlich

    Eine synchrone Schnittstelle funktioniert in etwa wie eine dauerhaft geöffnete Leitung, die den Transport der Daten zwischen verschiedenen Endpunkten ermöglicht und eine stabile Leitungskapazität benötigt. Das Verhalten der Systeme ist bei Abbruch der Verbindung oder Leistungsabfall im Durchsatz kaum kalkulierbar, sofern nicht zusätzlich Kontrollmechanismen und Fallbacks integriert werden.

    Dies aber lässt die Komplexität der Lösung sowie die Abhängigkeit von der Funktionalität noch weiter ansteigen. So müssten beispielweise Plug-ins für den Shop programmiert werden, die etwa ein Auslösen der Bestellung unterbinden, wenn der Warenkorb nicht abschließend mit dem ERP-Bestand abgeglichen werden kann.

  • 10.

    Langfristige Anpassbarkeit ist potenziell fraglich

    Zwar verfügen die meisten SHOP-Systeme über eine ständig weiterentwickelte API, die zumeist abwärtskompatibel bleibt. Ebenso ist man mit einem entsprechend ausgestatteten ERP-Systeme gut gerüstet. Durch die sehr tiefgehende gegenseitige Integration mittels einer synchronen Anbindung bedeuten Updates und Erweiterungen an der einen oder anderen Lösung allerdings ein hohes Risiko für den langfristig stabilen Betrieb. Sie wirken im Hinblick auf Innovationen hinderlich, verlässliche Planungen werden erheblich erschwert.

Fazit

Am Ende geht es nicht um Synchrone vs. Asynchrone Schnittstelle als Glaubensfrage, sondern um eine nüchterne Abwägung: Welche Risiken bist du bereit zu tragen, um welchen konkreten Nutzen zu erzielen? Die synchrone Anbindung klingt im ersten Moment verlockend, weil „live“ und „in Echtzeit“ intuitiv nach Fortschritt klingen. Doch du hast gesehen: Diese Entscheidung zieht fast immer mehr Komplexität, Abhängigkeiten, Kosten und technische Fragilität nach sich, als man auf den ersten Blick wahrnimmt.

Asynchrone Schnittstellen mit sauber replizierten Stammdaten im SHOP bieten dir dagegen Stabilität, Performance und Planbarkeit. Sie entkoppeln dein ERP von den Schwankungen im Nutzerverhalten, reduzieren Lizenz- und Infrastrukturabhängigkeiten und sorgen dafür, dass dein Shop auch dann performant bleibt, wenn intern etwas hakt. Synchrone Zugriffe sollten deshalb die Ausnahme bleiben – gezielt dort eingesetzt, wo der Mehrwert klar messbar ist, etwa bei hochkritischen Beständen oder speziellen Preislogiken.

Wenn du die hier beschriebenen Punkte konsequent in deine Bewertung einbeziehst, triffst du keine Bauchentscheidung, sondern eine belastbare Architekturentscheidung. Du definierst bewusst, wo du Echtzeit wirklich brauchst und wo robuste, asynchrone Prozesse für ein besseres Kauferlebnis und einen effizienteren Betrieb sorgen. So gestaltest du deine Systemlandschaft zuverlässig und stabil.